GENF (Reuters) – Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sterben jedes Jahr mindestens 3.4 Millionen Menschen an durch Wasser übertragenen Krankheiten, womit diese Krankheiten insgesamt tödlicher sind als Aids.

Anlässlich des Weltwassertags am Freitag forderten Gesundheits-, Umwelt- und humanitäre Organisationen größere internationale Anstrengungen zur Verbesserung der Wasser-, Hygiene- und Sanitärversorgung der Armen dieser Welt.

„Wasser ist eines der größten Gesundheitsrisiken für die Menschheit“, sagt Jamie Bartram, Koordinator des WHO-Programms für Wasser, Sanitärversorgung und Gesundheit. „Das ist ein großes Gesundheitsproblem und die Menschen, die wirklich darunter leiden, sind die Armen in den Entwicklungsländern, vor allem die Kinder.“

Auf einer internationalen Konferenz im vergangenen Dezember in Bonn wurde dazu aufgerufen, die Zahl der Menschen ohne sanitäre Einrichtungen bis 2015 zu halbieren. Doch die Organisationen meinten, man könne schon früher mehr tun.

Zahlen der Vereinten Nationen zeigen, dass ein Sechstel der Weltbevölkerung keinen ausreichenden Zugang zu sauberem Trinkwasser hat und 2.4 Milliarden Menschen ohne grundlegende sanitäre Einrichtungen leben.

„Das hat enorme Auswirkungen auf die Sterblichkeit und den Lebensstandard“, sagt Robert Fraser, der für die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) die Wasser- und Sanitärversorgung in Ostafrika koordiniert. Durchfall ist die häufigste Todesursache. 2.2 Millionen Menschen sterben jedes Jahr an verwandten Krankheiten, darunter Cholera.

Doch Behinderungen und arbeitsunfähig machende Krankheiten, die zum Teil durch verunreinigtes Wasser verursacht werden, auch wenn sie nicht als durch Wasser übertragene Krankheiten bezeichnet werden, zerstören das Leben vieler anderer Menschen in den Entwicklungsländern.

Eine bessere Wasserwirtschaft und Hygiene kann die Übertragung von Krankheiten wie Bilharziose – bei der sich Parasiten im Magen oder der Blase festsetzen – und Malaria eindämmen.

In Bangladesch besteht die Befürchtung, dass 35 bis 77 Millionen Menschen durch mit Arsen verseuchtes Wasser gefährdet sein könnten, das schwere Hautläsionen hervorruft und Krebs verursachen kann.

Bartram sagte, es gebe viele andere „stille Bedrohungen“, darunter übermäßige Fluorid in der Wasserversorgung in China, Indien und dem Rift Valley in Afrika. Allein in China leiden 30 Millionen Menschen an lähmender Skelettfluorose.

Darüber hinaus gibt es weltweit sechs Millionen Fälle irreversibler Blindheit aufgrund von Trachom, einer durch verschmutztes Wasser und mangelnde Hygienebedingungen verursachten Augeninfektion.

Das IFRC, das die örtlichen Gemeinden in Gesundheits- und Hygienefragen unterrichtet und ihnen beim Entwurf von Brunnen und dem Bau von Familienlatrinen hilft, ist davon überzeugt, dass es für lediglich 15 Dollar pro Person die notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse vermitteln kann, um eine lebenslange Versorgung mit sauberem Wasser sicherzustellen.

„Wir müssen unsere Bemühungen massiv verstärken. Ja, wir brauchen Geld, Fachwissen und Partnerschaften, aber all das wird nur funktionieren, wenn wir die lokale Gemeinschaft stärken und die Menschen motivieren, sich selbst zu helfen“, sagte Fraser.

„Wir wissen, wer betroffen sein kann und was getan werden kann. Es gibt jetzt die Mittel dazu. Wir sollten nicht auf den großen Traum warten müssen, dass jeder eine gute Wasser- und Sanitärversorgung hat“, sagte Bartram.