Abstract
Die Entdeckung und der Einsatz von Fluorid zur Vorbeugung von Zahnkaries werden oft als eine der wichtigsten Errungenschaften im Gesundheitswesen gepriesen. Anfang des 20. Jahrhunderts dauerte es 30 Jahre, bis Fluorid als Ursache für Zahnschmelzflecken, aber auch für die geringere Kariesprävalenz in einer Bevölkerung identifiziert wurde, die fluoridhaltiges Wasser trank. Ebenso waren von 1960 bis 1990 erhebliche Anstrengungen erforderlich, um die Wirkungsweise von Fluorid so detailliert zu entschlüsseln, dass ein rationaler Plan zur Kariesprävention formuliert werden konnte. Dieser Artikel beschreibt die wissenschaftlichen Bemühungen, die zu einem Konsens in dieser Frage führten. Aus historischen Gründen werden das Fachgebiet, die Akteure und ihre wichtigsten Forschungsleistungen beschrieben. Letztendlich herrschte allgemeine Übereinstimmung darüber, dass Fluorid in erster Linie topisch durch Fluoride in der Mundflüssigkeit und nicht systemisch durch Einbau von Fluorid in die Mineralkristalle des Zahnschmelzes wirkt. Selbst Fluoridkonzentrationen von <1 mg/l verstärken die Ablagerung von Calciumphosphaten während der Remineralisierung des Zahnschmelzes (und des Dentins). Ebenso können so geringe Fluoridkonzentrationen die Auflösung des verkalkten Gewebes wirksam reduzieren. Dieses Verständnis führte zur Entwicklung fluoridhaltiger Kariespräventionsprodukte, die eine unbestritten positive Wirkung auf das Ausmaß der Zahnkaries hatten.
