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Mikrofluidisches, papierbasiertes Analysegerät zur kolorimetrischen Erkennung von Fluoridionen mit Smartphone-Anzeige.Abstract
Online bei https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0026265X25030231
Highlights
- A uPAD für den schnellen und genauen kolorimetrischen Nachweis von Fluoridionen.
- Die DCMSi-Verbindung zeigt auf Papier eine ausgezeichnete Fluoridempfindlichkeit gegenüber Fluoridionen.
- Das Papiergerät funktioniert gut bei der Fluoridmessung in realen Proben.
- Eine tragbare, smartphonegestützte Plattform zur Fluoridmessung vor Ort.
Die Fluoridbelastung des Wassers ist ein weit verbreitetes Umwelt- und Gesundheitsproblem, das sowohl auf natürliche Quellen als auch auf industrielle Aktivitäten zurückzuführen ist. Zu hohe Fluoridkonzentrationen können zu schwerwiegenden Gesundheitsproblemen führen, weshalb die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen maximal zulässigen Wert von 1.5 mg/L für Trinkwasser festgelegt hat. In dieser Arbeit stellen wir ein neuartiges mikrofluidisches, papierbasiertes Analysegerät vor (uPAD) zur kolorimetrischen Detektion von Fluoridionen als schneller und selektiver Sensor. uPAD enthält ein Styryl-Dihydropyranylidenmalononitril-Derivat mit einer Silylethergruppe (DCMSi), das mit Fluorid zu einem Fluorsilan reagiert. Dies führt aufgrund von Donor-Akzeptor-Wechselwirkungen der Fluoridionen zu einer sichtbaren Farbänderung. Das entwickelte Verfahren ermöglicht eine einfache Probenhandhabung und minimiert den Reagenzienverbrauch. Die kolorimetrischen Reaktionen werden per Smartphone-Kamera erfasst und quantifiziert. Das Gerät zeigt im Bereich von 0.04–0.25 mM ein lineares Ansprechverhalten mit einer Nachweisgrenze von 5 mM. uM, das eine hohe Empfindlichkeit aufweist. Diese Ergebnisse unterstreichen das Potenzial dieser kolorimetrischen Methode. uPAD ist ein praktisches Werkzeug zur Fluoridüberwachung in Echtzeit, insbesondere in abgelegenen oder ressourcenarmen Gebieten. Die Kombination aus hoher Empfindlichkeit und einfacher Handhabung macht es zu einem wertvollen Beitrag zur Überwachung der Umweltwasserqualität und zum Schutz der öffentlichen Gesundheit.
Grafische Zusammenfassung

Einführung
Die Fluoridbelastung des Trinkwassers stellt eine gravierende Umweltproblematik dar und bedroht weltweit unsere Gesellschaft erheblich. Dieser Schadstoff ist weit verbreitet und gelangt auf natürliche Weise durch die Lösungsmittelwirkung von Wasser auf Gestein und Boden ins Grundwasser. Hinzu kommen industrielle Aktivitäten wie die Aluminium- und Stahlproduktion, die Glas- und Halbleiterherstellung, die Düngemittelproduktion und die Galvanotechnik. Diese doppelte Herkunft unterstreicht die dringende Notwendigkeit umfassender Strategien zur Bekämpfung der globalen Fluoridbelastung von Wasserquellen [1,2].
Diese Probleme betreffen Regionen weltweit und erfordern wirksame Strategien zur Fluoridreduzierung, um die Wasserqualität und die öffentliche Gesundheit zu schützen. Ein hoher Fluoridgehalt im Wasser verursacht Zahn- und Skelettprobleme, Knochenschäden, Muskelschwäche, Müdigkeit und schwere gesundheitliche Komplikationen bei Organismen [3]. Aufgrund dieser schädlichen Folgen hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen maximal zulässigen Grenzwert von 1.5 mg/l (78.9 %) festgelegt. uM) für Trinkwasser [4]. Dennoch überschreiten die Fluoridkonzentrationen in verschiedenen Wasserquellen weltweit diesen vorgeschriebenen Standard, weshalb der Entwicklung analytischer Methoden zum Nachweis von Fluoridionen große Aufmerksamkeit gewidmet wurde.
Es gibt etablierte Methoden zur Fluoridbestimmung in Abwasser. Zu den gebräuchlichsten zählen die Ionenchromatographie [5], die Massenspektrometrie [6] und potentiometrische Verfahren [7]. Obwohl diese Methoden hochsensitiv und selektiv für die Fluoridbestimmung sind, erfordern die meisten eine Probenvorbereitung. Dies erschwert oder verhindert In-situ-Messungen, die jedoch für die Fluoridbestimmung in Wasser unerlässlich sind. Darüber hinaus benötigt ihre Anwendung in der Regel spezielle und teure Laborausrüstung sowie qualifiziertes Personal zur Auswertung der Ergebnisse.
Derzeit besteht Bedarf an neuen Analysemethoden, die den schnellen und einfachen Nachweis und die Quantifizierung von Fluoridionen ermöglichen, ohne dass eine Probenvorbehandlung erforderlich ist und nur geringe Proben- und Reagenzienmengen benötigt werden. Dank der Fortschritte bei mikrofluidischen, papierbasierten Analysegeräten (uFür die Bestimmung von Fluoridionen wurden verschiedene analytische Strategien evaluiert (PAsD). Darunter stechen optische Methoden hervor, die hauptsächlich auf Farb- und Fluoreszenzänderungen basieren [[8], [9], [10], [11]].
Alle diese Methoden basieren auf der Immobilisierung von Farbstoffen oder Fluorophoren auf Papierträgern, die für den Fluoridnachweis vor Ort ohne Probenvorbehandlung entwickelt wurden. Diese Techniken stellen eine attraktive Alternative zu herkömmlichen Analysemethoden dar. uPapierbasierte Analysegeräte (PADs) ermöglichen nicht nur Messungen vor Ort, sondern erleichtern auch die Ergebnisinterpretation durch leicht verständliche Farbänderungen. Eine wesentliche Herausforderung bei der kolorimetrischen Bestimmung mit Papiergeräten ist jedoch die Farbinterpretation, die insbesondere bei niedrigen Konzentrationen der Zielsubstanz subjektiv sein und zu falsch positiven oder falsch negativen Ergebnissen führen kann. Digitale Bildverarbeitungsgeräte, insbesondere Smartphones, haben sich daher als wertvolle Unterstützung bei der Verbesserung der Empfindlichkeit und Benutzerfreundlichkeit papierbasierter Analysegeräte erwiesen. Ihre Fähigkeit, geringfügige Farbänderungen zu erfassen, ermöglicht in Kombination mit bildbasierter Datenverarbeitung eine präzisere und quantitative Interpretation der Analyseergebnisse [12], [13]. Um die Empfindlichkeit dieser Geräte zu verbessern, wird häufig der Einsatz digitaler Bildverarbeitungsgeräte wie Smartphones, Scanner oder Digitalkameras vorgeschlagen, um ein Bild des Sensorbereichs aufzunehmen und die Farbe mittels mathematischer Analyse zu interpretieren [14]. Diese Integration von Bildverarbeitungsgeräten verbessert die analytische Leistungsfähigkeit von PADs. uPADs ermöglichen quantitative Analysen, erlauben Messungen vor Ort und erleichtern die Interpretation der Ergebnisse durch gut sichtbare Farbänderungen [[15], [16], [17]].
Eine weitere Strategie zur Verbesserung der Empfindlichkeit dieser Geräte betrifft die Erkennungschemie. Ein Schlüsselelement solcher Systeme ist die Verwendung eines molekularen Sensors, der sich leicht herstellen lässt und eine deutliche, mit bloßem Auge erkennbare Farbänderung hervorruft – was eine einfachere kolorimetrische Detektion ermöglicht. Ausgehend von der Suche nach einem solchen Sensor konzentrierten wir uns auf Donor-Akzeptor-Systeme (DA-Systeme) mit einfachen, aber robusten Syntheseverfahren und fanden diese in Chemodosimetern, die auf dem Dicyanomethylen-4H-Pyran-Gerüst basieren. Unseres Wissens wurde bisher nur eines dieser Systeme als „Turn-on“-Sensor zur Detektion von Fluorid-Anionen eingesetzt, allerdings im Kontext der Fluoreszenzdetektion [18], aufgrund seiner hohen Empfindlichkeit. Dieser Chemosensor wurde hinsichtlich seiner Fluoreszenzeigenschaften im NIR-Bereich untersucht, da er eine reduzierte Hintergrundemission und Lichtstreuung aufweist und gleichzeitig Gewebeschäden durch Photodamage verhindert. Im vorliegenden Fall einer kolorimetrischen Detektion… uDa für den PAD-Sensor keine NIR-Fluoreszenz erforderlich war, konnte eine weniger konjugierte Struktur verwendet werden; außerdem könnte ein labilerer TBDMS-Ether anstelle eines TBDPS-Ethers die Empfindlichkeit in einem Papiersystem verbessern. Daher sahen wir DCMSi als geeigneten Chemosensor für seine Anwendung in uPAD-Systeme würden ein ähnliches optisches Verhalten beibehalten (starke Farbänderung bei der Abspaltung der TBDMS-Einheit nach Behandlung mit Fluorid), wenn auch nicht im NIR-Bereich, aufgrund des intramolekularen Ladungstransfermechanismus (ICT), der durch das resultierende Phenoxid-Ion hervorgerufen wird.
Wir berichten über einen kolorimetrischen Fluoridsensor auf Papierbasis, auf dem ein Styryl-Dihydropyranylidenmalononitril mit Silylethergruppe (DCMSi) immobilisiert ist, welches selektiv mit fluoridhaltigen Salzen reagiert. Die Reaktion zur Bildung des entsprechenden Fluorsilans führt aufgrund des Donor-Akzeptor-Charakters der beteiligten Gruppen zu einem starken Farbumschlag. Die erzielten Ergebnisse belegen die Zuverlässigkeit und Genauigkeit dieses neuen Sensors zur Fluoridbestimmung und machen ihn zu einem vielversprechenden kolorimetrischen Sensor, der sich durch geringe Kosten, schnelle Ergebnisse, hohe Selektivität und eine sehr niedrige Nachweisgrenze auszeichnet.
Abschnittsausschnitte…
Charakterisierung der DCMSi-Fluorid-Reaktion
Die Fluorid-Nachweisreaktion (siehe Schema 2) basiert auf dem nukleophilen Angriff des Fluoridions auf das Siliciumatom, wodurch die Silylethergruppe abgespalten wird [23]. Dies führt zur Bildung eines effizienten Push-Pull-Systems zwischen der nach der Abspaltung des Silylethers entstehenden Phenoxid-Einheit und der Malononitrilgruppe am Pyronring, was eine starke bathochrome Verschiebung zur Folge hat…
Wir haben ein innovatives kolorimetrisches, mikrofluidisches, papierbasiertes Analysegerät entwickelt (uPAD) zur Fluoridionendetektion nutzt ein Styryl-Dihydropyranylidenmalononitril-Derivat mit einer Silylethergruppe (DCMSi) als hochempfindliche chromogene Sonde. Ein wesentlicher Vorteil des Sensors besteht darin, dass er keine chemische Modifizierung oder Vorbehandlung des Papiersubstrats erfordert. Dies vereinfacht die Herstellung, verbessert die Reproduzierbarkeit und senkt die Kosten im Vergleich zu bestehenden papierbasierten Sensoren.
CRediT-Autorenbeitragserklärung
Isabel Blasco-Pascual: Schreiben – Originalentwurf, Validierung, Untersuchung, Formale Analyse, Datenaufbereitung. Inmaculada Ortiz-Gómez: Schreiben – Überarbeitung & Redaktion, Schreiben – Originalentwurf, Visualisierung, Betreuung, Methodik, Untersuchung, Formale Analyse, Konzeptualisierung. Sergio Gonzalez-Alfaro: Validierung, Methodik, Untersuchung, Datenaufbereitung. Antonio Sánchez-Ruiz: Schreiben – Überarbeitung & Redaktion, Schreiben – Originalentwurf, Methodik, Recherche, Formale Analyse, Datenaufbereitung.
Erklärung zu konkurrierenden Interessen
Die Autoren erklären, dass ihnen keine konkurrierenden finanziellen Interessen oder persönlichen Beziehungen bekannt sind, die die in diesem Artikel beschriebene Arbeit beeinflusst haben könnten.
Anerkennungen
Diese Arbeit wurde teilweise vom spanischen Ministerium für Wissenschaft und Innovation im Rahmen der nationalen Projekte PID2020-117344RB-I00 und PID2022-138727OB-I00, gefördert von MCIN/AEI, finanziert.10.13039/501100011033 und von EFRE „A way of making Europe“, von der „Europäischen Union“. Darüber hinaus dankt Inmaculada Ortiz-Gómez dem Ministerio de Universidades – Gobierno de España (MCIN/AEI/10.13039/501100011033) und der Europäischen Union – NextGenerationEU für die finanzielle Unterstützung (FJC2021-046807-I).
Referenzen (33)
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Weitere Referenzen sind in der Volltextversion dieses Artikels verfügbar.
